ADSH-Syndrom: Beachtliches Risiko durch Tabakrauch und Blei

(mko) Auswirkungen des Rauchens während der Schwangerschaft und ein erhöhter Bleigehalt im Blut während der Kindheit führen zu einem achtfach erhöhten Risiko für Kinder das Syndrom ADHS – Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Hyperaktivität – zu entwickeln. Das berichten Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne unter Berufung auf die Ergebnisse einer aktuellen US-kanadischen Studie. An der Untersuchung, die von 2001-2004 durchgeführt wurde, haben über 2500 Kindern im Alter zwischen 8 bis 15 Jahren teilgenommen. Dabei wurde der Bleigehalt ihres Blutes bestimmt und ihre Mütter wurden nach Tabakkonsum in der Schwangerschaft befragt.
„Beide Schadstoffeinwirkungen – Blei und Tabakrauch – können das ADHS-Risiko der Kinder unabhängig voneinander erhöhen: Eine vorgeburtliche Belastung mit Tabakrauch um den Faktor 2,4 und eine erhöhte Belastung mit Blei in der Kindheit um den Faktor 2,3,“ so Proffessor Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der DGP„sind die Kinder allerdings beiden Einflüssen zugleich – Tabakrauch als Fötus im Mutterleib und Blei in der Kindheit – ausgesetzt, dann verachtfacht sich ihr Risiko, an ADHS zu erkranken – und das ist weitaus mehr, als wenn man die einzelnen Faktoren addieren oder multiplizieren würde!“

Triftiger Grund für Schwangere, auf das Rauchen zu verzichten

Die so genannte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – auch Zappelphilippsyndrom genannt – wird durch eine neurobiologische Funktionsstörung im Gehirn ausgelöst. „Die Ursachen dafür sind noch nicht genau bekannt, wobei Rauchen während der Schwangerschaft schon länger im Verdacht steht, die Störung auszulösen“, erklärt Köhler. „Dass eine Kombination zweier weit verbreiteter Umwelteinflüsse – wie Passivrauch und erhöhter Beigehalt in Luft und Boden – das Risiko für ADHS dermaßen stark erhöht, ist bedenklich. Dies sollte jedenfalls einen besonders triftigen Grund für Schwangere darstellen, zumindest auf das Rauchen zu verzichten. Schließlich sind bei den von ADHS betroffenen Kindern die Hauptsymptome der Erkrankung – d.h. Störung der Aufmerksamkeit, der Aktivität, der Wahrnehmung und der Impulskontrolle – oftmals so stark ausgeprägt, dass dies bei einem hohen Anteil zu deutlichen Schwierigkeiten in wichtigen Lebenssituationen wie Familie und Schule führt und häufig auch noch im späteren Lebensalter Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehung nach sich zieht,“ warnt Köhler.
Quelle: Fachzeitschrift “Pediatrics”/2009, Band 124)