Liebeskummer – ein “gebrochenes Herz” ist keine Phantasie

(mko) Wer will schon am Valentinstag – 14. Februar 2009 – an Liebeskummer denken?
Aber: Liebeskummer gibt es wirklich! Für viele Kardiologen gehört ein “gebrochenes Herz” zum medizinischen Alltag. Denn: das “Broken-Heart-Syndrom” zeigt sich, wenn ein Patient nach einem dramatischen Erlebnis, sei es einer plötzlichen Trennung vom Ehepartner oder nach einem Unfall und Verlust eines geliebten Menschen plötzlich über starke Schmerzen in der Brust, im Hals und linken Arm begleitet von Atemnot, Übelkeit und Schwitzen klagt. Die Symptome gleichen denen eines Herzinfarktes.

Eine 50-jährige Patientin wird mit diesem Verdacht in die nahe gelegene Uniklinik eingeliefert. Auch EKG und Ultraschall zeigen, dass die linke Herzkammer praktisch nicht mehr arbeitet. Die große Überraschung: Alle Herzkranzgefäße sind vollständig normal, offen und werden durchblutet. Von Verstopfung keine Spur. Es ist kein Blutgerinnsel nachzuweisen. Dafür aber zeigt sich eine Bewegungs- und Funktionsstörung der linken Herzkammer, eine Lähmung des Herzmuskels.
Warum also streikt das Herz? Die Antwort: Es ist „gebrochen“. Eine dramatische Trennung von dem Ehemann war die Ursache.

Seit Anfang der 1990er-Jahre ist dieses Phänomen unter dem Begriff Tako-Tsubo- oder Stress-Kardiomyopathie, auch als „Broken-Heart-Syndrom“ (Gebrochenes-Herz-Syndrom) bekannt. Das Krankheitsbild wurde 1991 erstmals beschrieben. Auslöser der Symptome, die denen eines Herzinfarktes gleichen, können extremer Stress, ein heftiger Schock sowie außerordentliche emotionale oder körperliche Belastung sein, aber auch erfreuliche Überraschungen wie ein größerer Lottogewinn. Das Besondere daran: Die akute und oft schwerwiegende Funktionsstörung des Herzens verschwindet meist schon nach wenigen Tagen oder Wochen von alleine. Im Gegensatz zum Infarkt, bei dem Teile des Muskelgewebes unwiderruflich absterben, bleiben in der Regel keine Schäden zurück. Die Betroffenen müssen jedoch einige Tage auf der Intensivstation überwacht werden, da in dieser Phase gefährliche Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern oder Schock auftreten können. Solche Komplikationen sind allerdings selten.
Ein gerbochenes Herz aus Liebeskummer als Krankheitsbild ist erst
seit wenigen Jahren bekannt. Bisher weiß man nur, dass das Herz von Frauen öfter „bricht“ als von Männern – und das Liebeskummer, die Trennung von einem geliebten Partner, den Tod eines nahe stehenden Menschen, ein Unfall oder auch der Verlust des Arbeitsplatzes,
z.B. als Ursache gelten.
In mehr als 90 Prozent der Fälle sind Frauen zwischen 50 und 70 Jahren betroffen, wie eine Fallserie im New England Journal of Medicine (NEJM 2005; 352: 539-548) zeigt. Warum das so ist, kann bislang niemand sagen. „Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass ein relativer Mangel an Östrogenen nach der Menopause zur verstärkten Aktivierung des sympathischen Nervensystems führt“, sagt der Kardiologe Professor Dr. Karl-Heinz Kuck vom Hanseatisches Herzzentrum Hamburg. In extremen Belastungssituationen schütten die Nebennieren zu viele Stresshormone aus.
Sicher ist: Den meist deutlich erhöhten Blutspiegeln von Stresshormonen, besonders den körpereigenen Noradrenalin und Dopamin, scheint eine entscheidende Bedeutung zuzukommen. Als Folge hört der untere Teil der linken Herzkammer einfach auf, sich zu bewegen, der Herzmuskel wird vorübergehend regelrecht in seiner Pumparbeit gelähmt. Möglicherweise ziehen sich dabei die winzigen Blutgefäße im Herzen als Reaktion auf die Stresshormone zusammen, möglicherweise wirken die Hormone aber auch giftig auf die Herzmuskelzellen – weder das eine noch das andere konnte bislang bestätigt oder widerlegt werden. Anders als beim Herzinfarkt trifft die Stress-Kardiomyopathie fast ausschließlich ältere Frauen. Warum das so ist, kann bislang niemand sagen.